{"id":264,"date":"2019-10-25T10:21:52","date_gmt":"2019-10-25T08:21:52","guid":{"rendered":"http:\/\/boyer.at\/?p=264"},"modified":"2019-10-25T10:22:06","modified_gmt":"2019-10-25T08:22:06","slug":"thermalwasserbohrung-mit-schwierigkeiten-solidarhaftung-von-projektleiter-brunnenfirma-und-pumpenlieferant","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/boyer.at\/?p=264","title":{"rendered":"Thermalwasserbohrung mit Schwierigkeiten &#8211; Solidarhaftung von Projektleiter, Brunnenfirma und Pumpenlieferant"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 1994 entschloss sich die Marktgemeinde Bad Pirawarth (sp\u00e4tere Kl\u00e4gerin) ein Kurhaus zu errichten. Zu diesem Zweck betraute man am 18.2.1995 einen Geologen (sp\u00e4ter Drittbeklagter im Prozess) mit der Projektleitung zur Erschlie\u00dfung der Heilwasservorkommen. In Folge engagierte dieser im Auftrag der Gemeinde mehrere Firmen, welche die notwendigen Gewerke nach dem Stand der Technik und mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt erf\u00fcllen sollten. Die Bohrung in eine Tiefe von rund 900 m, die Verrohrung und die Erschlie\u00dfung der Heilquelle gingen problemlos vonstatten. Zu bemerken ist, dass sich diese Bohrung mit zunehmender Tiefe verengt. Plangem\u00e4\u00df kam es in einer Tiefe von 270m zu einer Reduktion des Durchmessers mit einem Rohr\u00fcbergang. Diese Reduzierung des Durchmessers war allen Beteiligten bekannt.<\/p>\n<p>Der Projektleiter beauftragte den Pumpenlieferanten (sp\u00e4ter Zweitbeklagter) mit der Anfertigung der ben\u00f6tigten Unterwasserpumpe zur F\u00f6rderung des Heilwassers und ein erfahrenes Unternehmen (sp\u00e4ter Erstbeklagter) mit dem Einbau der Pumpe. Zun\u00e4chst \u00fcbermittelte der Projektleiter falsche Abmessungen f\u00fcr die Pumpe. Darauf wurde die falsche \u2013 mit zu gro\u00dfen Durchmesser &#8211; Pumpe ohne Datenblatt geliefert. Der Brunnenbauer (Erstbeklagte) \u00fcberpr\u00fcfte die Pumpe bei \u00dcbernahme nicht ordentlich. Der Projektleiter (Drittbeklagte) hielt es nicht einmal f\u00fcr notwendig, bei der Anlieferung pers\u00f6nlich anwesend zu sein. Beim Einbau am 27.10. 1997 blieb die Unterwasserpumpe im Brunnenrohr \u201estecken\u201c. Die aufwendigen Berge- und Reparaturarbeiten kosteten in der Folge mehr als 300.000 Euro.<\/p>\n<p>Wer ist verantwortlich und haftet &#8211; zu welchen Anteilen &#8211; f\u00fcr diesen Schaden? (Gew\u00e4hrleistung, Mangelfolgesch\u00e4den)<\/p>\n<p>Der schwierige Sachverhalt wurde zun\u00e4chst in einem Beweissicherungsverfahren vor dem BG G\u00e4nserndorf im Jahre 1998 festgestellt. Im Sommer 2000 wurde von der Marktgemeinde Bad Pirawarth mangels Zahlung Klage gegen den Brunnenbauer, Lieferanten der Pumpe und Projektleiter erhoben. Ein gerichtlich beeideter Sachverst\u00e4ndiger hat die notwendigen technischen Voraussetzungen f\u00fcr das Gericht erarbeitet und die Fehler aufgezeigt. Aufgrund dieser Ergebnisse sollte ein Vergleich geschlossen werden, was am 23.9.2004 durch Widerruf des Projektleiters und des Lieferanten der Pumpe endg\u00fcltig scheiterte, da sich keiner mit der Verschuldensteilung und davon abh\u00e4ngigen Anteil am Ersatz des Schadens abfinden wollte. Das Urteil des Landesgerichts Korneuburg wurde am 15.8.2005 gef\u00e4llt. Es erkannte, dass die Zuordnung des Schaden bzw. der Schadenteile unm\u00f6glich ist, da die Fehler aller Beklagten mehrfach ineinander greifen und so alle drei solidarisch (jeder f\u00fcr den gesamten Schaden) haften. (\u00a7 1302 2. Satz 2. Fall ABGB) .<\/p>\n<p>Die Beklagten legten Berufung ein. Das Oberlandesgericht Wien best\u00e4tigte in allen Punkten die Entscheidung des Landesgerichts Korneuburg. Der Fall fand im Februar 2006 sein juristisches Ende.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend waren es 3 Jahre und 4 Monate (40 Monate) vom Projektbeginn (1994) bis zur Inbetriebnahme der Pumpe (1997), insgesamt aber 8 Jahre (1998) und 4 Monate (100 Monate) (2006) bis endg\u00fcltig gekl\u00e4rt wurde, wer den Schaden f\u00fcr die Sanierungsarbeiten tr\u00e4gt. Nur aufgrund der umsichtigen Beauftragung bei der Projektabwicklung, insbesondere der Bestellung eines verantwortlichen Projektleiters und dem Eingehen des Prozessrisikos konnte f\u00fcr die Marktgemeinde Bad Pirawarth im M\u00e4rz 2006 der Betrag von EUR 400.269,68 (darin enthalten allein EUR 98.207,85 an Zinsen) und der Ersatz aller Prozesskosten hereingebracht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1994 entschloss sich die Marktgemeinde Bad Pirawarth (sp\u00e4tere Kl\u00e4gerin) ein Kurhaus zu errichten. Zu diesem Zweck betraute man am 18.2.1995 einen Geologen (sp\u00e4ter Drittbeklagter im Prozess) mit der Projektleitung zur Erschlie\u00dfung der Heilwasservorkommen. In Folge engagierte dieser im Auftrag der Gemeinde mehrere Firmen, welche die notwendigen Gewerke nach dem Stand der Technik und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/264"}],"collection":[{"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=264"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":265,"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/264\/revisions\/265"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/boyer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}